Landstreicher - Wandern mit dem Pferd / Packpferd

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Kindheit

Kein Baum zu hoch
kein Weg für ein Abenteuer zu weit.
In vielen Gefahren tausend mal geschworen
es nie wieder zu tun,
den Schwur nach Minuten schon gebrochen.
Bis auf die Erfahrungen mit Erwachsenen
hatte ich eine ungetrübte wunderbare Kindheit in der Natur.

Mythos Landstreicher





Die Gretchenfrage:
Was bewegt dich dazu deine gesellschaftliche Existenz aufzugeben, die Komfortzone zu verlassen und ohne Sicherheiten mit einem Saumpferd durch das Land zu ziehen?

 
Meine gesellschaftlich inkompatible Veranlagung und die Affinität zur Natur kommt nicht von ungefähr.
Unter Beachtung  der Risiken und Nebenwirkungen, konnte mich eine Komfortzone in der stetiges Wachstum Gesetz ist und das Verlangen nach immer mehr kein Ende finden darf nie wirklich überzeugen- oder wie wir Schwaben sagen,
des hot´a Gschmäggle´(das hat einen Beigeschmack).

Meine Kindheit wurde stark geprägt durch die Natur.
Die Idee mich als Landstreicher mit Pferd auf und davon zu machen, sich auf diesem Wege dem zu entziehen was versucht aus mir das zu machen was ich nicht sein möchte, hat sich in meiner Vorstellung schon immer sehr gut angefühlt. Ist es möglich draußen als Landstreicher meinen eigenen Weg zu finden?
Mit der Natur, die mich schon als Kind gelehrt hat mutig zu sein und Ängste zu überwinden, habe ich doch die beste Verbündete an meiner Seite. Aber wenn ich in dieser verrückten Idee untergehe und ertrinke, was dann? Dann ertrinke ich mit der einen großen Freude, wenigstens den Mut gehabt zu haben.
Was dann trotz aller Unkenrufe aus meinem Umfeld in Wirklichkeit auf mich zukam übertraf bei Weitem meine Vorstellungen.
Es ist kaum in Worte zu fassen, wie herrlich und ehrlich ein junges Leben sein kann und was es alles für einen bereit hält wenn man den Mut findet an sich selbst zu glauben.
Jeder Versuch, mich als Landstreicher im nachhinein zu resozialisieren ist gescheitert. Heute weiß ich mit der Gesellschaft umzugehen, aber wohlfühlen funktioniert nur draußen unter den Bäumen.


Unser aller Lebensraum
Die Natur, meine allerliebste Lehrmeisterin, hatte schon in meiner frühesten Kindheit dafür gesorgt, dass aus mir mal was wird.
Dafür möchte ich ihr meinen aller größten Dank aussprechen.
Sie hat mich gelehrt, was ich für´s Leben brauche und mir eine wunderbare Kindheit und mehr beschert. Auch wenn ich anderer Meinung war als meine Eltern und meine Lehrer, musste ich dennoch, wenn auch widerwillig rechnen, schreiben und lesen lernen.
Bis heute bilden diese positiven Erfahrungen aus der Natur das Fundament auf dem meine Persönlichkeit und mein Leben überhaupt die Chance hatten nach meinem eigenen Empfinden und meinen eigenen Werten zu gedeihen.

Angst und Geld hab ich noch nie gehabt, dafür aber alle Zeit der Welt.
Ich kenne nicht alle Namen der Vögel, aber ihren Gesang der mich zu meiner Freude durch den ganzen Tag begleitet.
Ich kenne auch nicht alle Namen der Bäume, aber ich weiß sie zu nutzen, schätze ihren kühlen Schatten bei Tag
und in der Nacht die Geborgenheit die sie geben.
Ich kenne nicht alle Namen der Menschen, aber ich kenne die Menschen, weiß ihnen zu begegnen und ihnen aus dem Weg zu gehen.
Ich kenne die Gesellschaft, und weil ich sie kenne, streiche ich durch´s Land.

  
Dem nach Reichtum, Wohlstand und Sicherheit strebenden Menschen versinnbildlicht der Landstreicher die unterste Stufe des Scheiterns. Lebt er doch so nahe am Schnitter, dem Gerippe mit der Sense das dem  Besitzenden noch mehr Unbehagen bereitet.
Fürwahr, durch seine Lebensart steht der Landstreicher nicht nur dem Tod näher, sondern auch allem Lebendigen und hat zu Beiden das besseres Verhältnis als viele andere.
Leider erkennt keiner die Ehrbarkeit der Landstreicher! Sie waren es die von Anbeginn der Menschheit, die auf der Suche nach neuem Lebensraum war, für das Überleben und die  Entwicklung ihrer Spezies eine entscheidende Rolle gespielt haben dürften.

Der Mensch ist in seiner Millionen Jahre währenden Entwicklung nachweislich Nomade gewesen. Zu Fuß ist er durch´s Land gestrichen, hat so die ganze Welt entdeckt, das Handwerk erfunden und wurde erst vor ca. 10 000 Jahren sesshaft. Nach den Erkenntnissen moderner Wissenschaften als auch der Archäologie wird vermutet, das ein Klimawandel vor langer Zeit den Affen dazu gezwungen hat sich zu verändern um überleben zu können. Heute nennen wir uns Homo Sapiens, können außer aufrecht gehen noch vieles mehr, sind zahlreich wie nie zuvor, haben Probleme die keiner mehr im Griff hat und glauben bedeutend zu sein. Der derzeitige Klimawandel wird für uns erneut zu einer großen Herausforderung. Wir werden wieder gezwungen sein uns zu verändern, auch wenn wir es nicht wollen.
Zu der Zeit als unsere Vorfahren von den Bäumen kamen waren es bestimmt keine Milliarden. Sie haben sich verändert, haben den aufrechten Gang gelernt und sind vom Gejagten zum Jäger geworden.
Ihr neuer Lebensraum mit seinen Möglichkeiten sich zu entwickeln schien unendlich zu sein und war voller Geheimnisse.
Heute scheint es keine Geheimnisse mehr zu geben. Wir sind fast acht Milliarden Menschen die global und unmissverständlich mit der Endlichkeit der Erde konfrontiert werden.
In unserem Lebensraum wird es immer enger und spannender.


Fridays for future?  Every day with and in nature and you have future and fun!

Über unsere Gesetzgebung hinweg, ist es mir als Landstreicher in dieser Gesellschaft noch möglich mich als Teil der Natur wieder in ihren Lebensraum einzufügen und sie hautnah und vorallem mental zu erfahren. Der Versuch die Natur eigenverantwortlich in ihrem Sinne, außerhalb der Gesellschaft und zu allen Jahreszeiten zu meistern ist spannend, belebend, und zugleich ernüchternd. Vorallem aber ist dieser Selbstversuch gerade in der heutigen Zeit in vielerlei Hinsicht enorm lehr- und aufschlussreich.

Wir glauben die Natur schützen zu können. Wie es aussieht wollen wir das nur, können es aber nicht! Die Natur würde nie auf die Idee kommen uns zu schützen, sie bietet uns lediglich einen Lebensraum den wir für unseren Vorteil oder Nachteil nutzen können.
Wir schaffen es auch nicht die Natur zu zerstören, doch die Natur kann uns zerstören unter anderem indem sie in letzter Konsequenz zulässt, dass wir diesen von ihr zur Verfügung gestellten Lebensraum selbst zerstören. Danach wird die Natur noch immer da sein, und diese Erde auf´s neue gestalten, mit oder ohne uns.

Natürlich Natur erleben.
Ich bin dabei.
Der Landstreicher




Über die Landstreicher.
Einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller hat es in sehr schönen Worten beschrieben,

Hermann Hesse:

Keinem  Menschen gehorsam, abhängig nur von Wetter und Jahreszeit, kein Ziel vor sich, kein Dach über sich, nichts besitzend und allen Zufällen offen, führen die Heimatlosen ihr kindliches und tapferes, ihr ärmliches und starkes Leben.
Sie sind die Söhne Adams, des aus dem Paradies Vertriebenen, und sind die Brüder der unschuldigen Tiere.
Aus der Hand des Himmels nehmen sie Stunde um Stunde, was ihnen gegeben wird: Sonne, Regen, Nebel, Schnee, Wärme und Kälte, Wohlsein und Not. Es  gibt für sie keine Zeit, keine Geschichte, kein Streben, und nicht  jenen seltsamen Götzen der Entwicklung und des „Fortschritts“, an den  die Hausbesitzer so verzweifelt glauben.
Ein Vagabund kann roh und zart sein, kunstfertig oder tölpisch, tapfer oder scheu, immer aber ist er im Herzen ein Kind, immer lebt er am ersten  Welt-Tage, vor Anfang aller Geschichte, immer wird sein Leben von wenigen einfachen Trieben geleitet.
Er kann tief in sich wissen, wie  gebrechlich und vergänglich alles Leben ist, und wie arm und angstvoll alles Lebendige sein bisschen warmes Blut durch das Eis der Welträume trägt, oder er kann bloß kindisch und gierig den Befehlen seines armen Magens folgen, – immer ist er der Gegensatz und Todfeind des Besitzenden und Sesshaften, der ihn hasst, verachtet und fürchtet, denn er will nicht an all das erinnert werden: nicht an die Flüchtigkeit  alles Seins, an das beständige Hinwelken alles Lebens, an den  unerbittlichen eisigen Tod, der rund um uns das Weltall erfüllt.


Quo vadis    
vom Landstreicher

Wohin ich gehe?
Wer weiß das schon, wohin er wirklich geht. Heute bin ich hier und morgen schon wieder ganz woanders.
Gestern schien noch alles richtig, morgen ist vielleicht schon alles falsch.
Aber ich gehe, gehe zu Fuß, so gut es geht frei von gesellschaftlichen und materiellen Zwängen.
Ich bin nicht wichtig, aber ich bin, das ist wichtig. So streicht die Zeit  durch mich und ich streiche durch die Zeit und das Land.
Wie alles im Universum ziehe auch ich meine Kreise deren Bahnen bestimmt werden durch die Umstände in die ich mich begebe. Ein stehter und all gegenwärtiger Begleiter hier draußen ist nicht die Angst, sondern die Gewissheit der Vergänglichkeit, der Tod.
Ohne ihn wäre ich eine unendliche Geschichte, durch ihn finde ich den Mut zu  sein, kann Wahrheit akzeptieren und Glück leben. In kalten Nächten sitzen wir am Feuer und betrachten in dessen lodernden Flammen die Vergänglichkeit allen Seins.
Dann wieder laufen wir gemeinsam des Weges umgeben vom Zauber der Natur und ungetrübter Lebensfreude im Licht der wandelnden Sonne.
Jeder Tag und jede Nacht ist auf´s neue eine Überraschung, ein neues Erlebnis, ein neues Abenteuer und der Wind weht um meine Nase.
Ich liebe die Gerüche, die Düfte, die Stimmen, die Frische, die er mir aus der Ferne bringt. Er kommt und zieht vorüber.
Mal stürmisch, mal ganz sanft und manchmal ist er kaum wahrzunehmen.
Ganz selten nur hält er inne, um sich dann allein um mich zu drehen, als wolle er mit mir tanzen.

Tief atme ich ein und aus, ja ich lebe, lebe auf einem einzigartigen Planeten.










Norbert Wolff Baron
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