Alpentour 2015 - Wandern mit dem Pferd Muli oder Esel

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Alpentour 2015

Touren / Galerie

         Tour der unvorhergesehenen Ereignisse          

Alpen wandern MuliGenaue Tourenplanung, festgelegte Tagesetappen und vorgebuchte Unterkünfte sind bei unseren Unternehmungen mit den Packtieren nicht relevant. Ein grober Plan und die Reise beginnt. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn unerwartete Ereignisse dem geplanten Ablauf einen Strich durch die Rechnung machen.
Dem war so auf unserer jetzigen Alpentour, bei der selbst unser so wager Plan nicht aufgegangen ist.

Zwei Wochen Alpenüberquerung – von Bad Hindelang nach Österreich, dann irgendwie zum Timmelsjoch und übers Joch nach Südtirol zum Schneeberg wo das 1. International Säumertreffen das festgelegte Ziel sein sollte.
Wegen der Materialprobleme am neuen Packsattel ging diese Rechnung schonmal nicht auf. Aus zwei Wochen wurde eine und aus dem Startpunkt Bad Hindelang, Startpunkt Zwieselstein im Ötztal.

“ Für außerplanmäßige Änderungen übernehmen wir keine Haftung „

Also gut, auf ein Neues, ab ins Ötztal um von dort direkt übers Timmelsjoch ins Passeiertal zu wandern.
So weit so gut – in Zwieselstein finden wir einen Parkplatz, es wird ausgeladen, aufgesattel und losgelaufen, auf zum Sahnestüberl, bei dem wir nach einer Tasse Kaffee, einem herrlichen Stück Kuchen und (darf man natürlich nicht versäumen) einem hervorragenden Enzian den Aufstieg zum Timmelsjoch in Angriff nehmen.

Auf ca. 2000 Metern macht uns das ohnehin schon schlechte Wetter einen weiteren Strich durch die Rechnung.
Ein eisiger Wind bringt dicke Wolken, die uns mit Schnee und Schneeregen schnell zu dem Entschluss bringen unser Zelt aufzuschlagen um die vorrausgesagte Wetterbesserung abzuwarten.

Wander Packtier Alpen

“ Wenn die Berge das erste Mal gezuckert sind, dann ist Herbst – so die Einheimischen „

Am nächsten Morgen marschieren wir weiter sobald die dichten Wolken den blauen Himmel freigeben.

Das Joch schon in Sichtweite, stellt sich uns ein weiteres Hinderniss in den Weg. Ein Fels, der in den ohnehin schon schmalen und dazu ausgebrochenen Weg ragt, macht es für Atlanta zu einem riskanten Wagnis weiterzugehen. Bei dem Versuch diese Stelle auf andere Art und Weise zu passieren, entgeht Atlanta nur knapp einem Absturz am steilen Hang. Sie rutsch mit der Hinterhand ab und droht mit der Gepäcklast hintenüber zu kippen. Ich schaffe es noch sie herunterzuziehen und wieder auf den Weg zu bringen. Jetzt steht sie jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Eine Tatsache, die uns die Entscheidung leicht fallen lässt. Norbert dreht mit seiner geschickten Sunny ebenfalls um (für sie war die Wegstelle kein Problem) und es geht wieder runter zum Startpunkt ‚Sahnestüberl‘.

Hier können wir die Nacht über bleiben und die Tiere auf der großen Alm laufen lassen. Wir genießen die herzliche Gastfreundschaft und lassen den Tag gemütlich ausklingen.

Alpentrekking Pferd

Schaffen wir es noch zum Schneeberg ! ?

Am nächsten Tag wird das Auto mit Hänger geholt um nun mit den Tragtieren über das Timmelsjoch zu fahren. Nach einer wilden Nacht mit einer Haflingerstute wollen wir gerade verladen, als die nächste Überraschung folgt. Atlanta, die sich in ihrem ganzen Leben (und das ist schon ziemlich lange!) noch kein einziges Eisen abgetreten hat, bestätigt uns nun die Regel mit einer Ausnahme. Ein verloren gegangenes Eisen auf einer riesigen Alm!

Der Fund wäre wie ein Sechser im Lotto, meint Hüttenwirt Peter zu unserer nun startenden Suchaktion. Jetzt ist Spurensuche angesagt. Wo waren die drei Damen heute Nacht unterwegs, in welchem der vielen Schlammlöcher steckt das Eisen wohl?

Ein Sechser im Lotto wäre uns zwar lieber gewesen, aber die Freude war dennoch kaum zu toppen, als ich nach einer Stunde das Hufeisen wiederfinde.

Jetzt aber rauf aufs Joch und runter ins Tal. Etwa nach 1/3 der Talfahrt schaut Norbert sicherheitshalber einmal nach den Bremsen am Pferdehänger. Auch hier staunen wir nicht schlecht, als die Plastikabdeckungen der Radmuttern eines Rades wie Schweizer-Käse herunterlaufen. Eine Bremse ist zu stark eingestellt und wird bei dieser Dauerbelastung nach kürzester Zeit glühend heiß.

Ob das so gut ist? Sicher ist sicher und so fahren wir etappenweise das Timmelsjoch und das Passeiertal hinunter und anschließend über den Jaufenpass um schließlich nach geraumer Zeit in Rinaun anzukommen.
Von hier aus soll es am Donnerstag übers Kaindljoch zum Schneeberg und dem Säumertreffen gehen.

Packtier Tragtier

Pechvögel oder Glückspilze ?

Da wir noch etwas Zeit haben, entschließen wir uns die Gegend noch etwas zu erkunden und stiefeln Mittwoch Morgen auf Richtung Gewingesalm. Doch auch hier scheint uns das Glück verlassen zu haben. Die letzten Meter eines sonst schönen und gut begehbaren Weges, sind mit einigen Felsplatten versehen. Mulistute Sunny rutscht beim Sprung von einer Felsplatte auf die nächste ab und verletzt sich an den Hinterbeinen.

Meint es das Schicksal diesmal wirklich so schlecht mit uns?

Nein, denn auch diesmal haben wir wieder mehr Glück als Unglück uns es sind nur einige oberflächige Kratzer, die uns am Aufstieg zur Schneeberghütte nicht hindern werden.

das richtige Packtier

Säumertreffen auf dem Schneeberg

Am Donnerstag geht es auf zwei verschiedenen Routen hoch zur Schneeberger Schutzhütte.
Die erste Strecke verläuft in ca. 3 Stunden von Schönau an der Timmelsjochstraße über die Obergostalm zum Schneeberg, wobei 550 Höhenmeter überwunden werden.
Die zweite Strecke verläuft in ca. 7 Stunden von Ridnaun über das Poschhaus und das 2700 Meter hohe Kaindljoch, auch Schneebergscharte genannt. Eine nicht zu unterschätzende Tour mit 1350 Höhenmetern Aufstieg und 455 Höhenmetern Abstieg zum ehemaligen Knappendorf St. Martin auf 2355 m.
Also los – die erste Etappe bis zum Poschhaus gehen wir auf einem breiten, befahrbaren Weg, der einen lediglich durch die stetige Steigung etwas zum Schwitzen bringt.

Jetzt gibt es erstmal eine Pause und ein wohlverdientes Bierchen. Von hier geht es einen kleinen Fußpfad voller Steine und Geröll hinauf aufs Joch.

Packpferd Gebirge

Ein Führer vom Bergbaumuseum begleitet uns auf dem Weg und erzählt über die Jahrhunderte alte Bergbaugeschichte.Über das 2700 m hohe Kaindljoch und das 2511 m hohe Sandjoch wurden über Jahrhunderte auf Saumtieren die kostbaren Silber- und Bleierze in Ledersäcken ins Ridnauntal gebracht. Ein Säumer führte sechs bis acht, in finanziell schlechten Zeiten sogar bis zu 20 Pferde oder Maultiere mit sich. Eine fast unvorstellbare Tatsache, befindet man sich selbst auf dem beschwerlichen Weg übers Joch.

Säumertreffen

Der Weg ist noch lange nicht zu Ende und ein Säumer ist nicht mehr zu sehen. Albert und seine Eselin fehlen! Wir können sie nicht mehr sehen. Hat er etwa umgedreht oder ist ihnen womöglich etwas zugestoßen? Wir laufen mit etwas schlechtem Gewissen weiter – er wird es schaffen!

Wir sind die Ersten, die an der Schutzhütte ankommen. Jetzt werden erstmal die Tiere versorgt und die Quartiere bezogen. Einige Zeit später treffen auch die anderen Säumer mit Tieren ein. Und Albert? Norbert, dessen Blick stets das Kaindljoch im Auge behalten hat, sieht endlich worauf jeder gehofft hat. Einen kleinen schwarzen Punkt der sich den Berg herunterbewegt.

Die zwei tapferen Bergsteiger haben es geschafft und so sind nun fast alle heil angekommen. Fast? Leider ist auf dem Weg von Schönau zum Schneeberg ein Pferd vom Weg abgerutsch und den Hang hinuntergestürzt. Dem Himmel sei Dank ist keinem etwas Schlimmeres zugestoßen. Das bepackte Tier wurde aufgerichtet und ging zusammen mit den Besitzern wieder ins Tal hinunter.

Saumpferd Alpen

Schon beim Abpacken der letzten Saumtiere beginnt es zu schneien. Schnell werden die Tiere gut abgedeckt und das Packgut, sowie die vielen verschiedenen Packsättel verstaut
Doch wir haben Glück und das Wetter wird besser, sodass alle das Wochenende halbwegs trocken überstehen.

Jetzt wird gemütlich zusammengesessen, gegessen, getrunken und sich ausgetauscht.
Deutsche, Österreicher, Schweizer, Italiener und Franzosen, vom erfahrenen Säumer bis zum Greenhorn. Große und kleine Tragtiere von elegant bis stämmig, vom Lang- und Mittellang-, bis zum Kurzohr, auf diesem Treffen ist alles vorhanden was eine gute Mischung ausmacht.

So gibt es viel Interessantes zu sehen und zu erzählen und natürlich auch Leckeres zu essen! Die schweizer Säumerkollegen haben ihren hervorragenden Sbrinz-Käse mitgebracht, Südtiroler Speck, Schüttelbrot und andere Köstlichkeiten lassen keine Wünsche offen.

 
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